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Selbstverständnis

Für den Feminismus! Wir sind feministisch, weil unsere moderne Gesellschaft eine partiarchale ist. Das bedeutet, dass Geschlecht eine Ordnungskategorie bildet – und die Menschen so in ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ sortiert. Diese Ordnung ist unversöhnt. Frauen müssen die große Mehrheit aller Sorge- und Hausarbeiten tragen. Diese werden wenig bis gar nicht entlohnt. Männer nehmen sich ihrer nur unzureichend an. Dabei machen jene ‚reproduktiven‘ Tätigkeiten etwa 2/3 der gesamtgesellschaftlichen Arbeit aus. Sie sind erst sind die Bedingung, welche das andere Drittel, die ‚produktive‘ Lohnarbeit, ermöglicht (denn ohne Erziehung, Kümmern, Putzen, Kochen, Koordination usw. gäbe es auch keine Arbeitskräfte, welche in Fabriken oder Büros arbeiten könnten). Der Vollzug des Patriarchats beruht also auf der Grundlage männlicher Herrschaft – erzeugt durch mehr materielle Ressourcen, Deutungshoheit und soziale Macht. Diese Herrschaft wird in barbarischen Kämpfen abgesichert. Männer stellen ihre (vermeintliche) Souveränität immer wieder gewaltsam her – durch sexuelle Übergriffe, Femizide, Männerbündelei, sexistische Bilder, verwehrte reproduktive Rechte, sowie den kategorischen Ausschluss von LGBT+, welche im Patriarchat für ihr Verschieden-Sein per se diskriminiert werden. Männer begehen das Patriarchat tagtäglich. Wir wollen es überwinden – für eine Gesellschaft jenseits von Geschlechterrollen!

Rassismus tötet! Wir werden nicht schweigen, wenn wir rassistische Strukturen oder Handlungen sehen – ob in der Uni oder anderswo. Rassismus ist ein strukturelles Problem unserer Gesellschaft: Nicht seltemüssen People of Color1, unkritisierte, rassistische Äußerungen und Alltagsrassismen ertragen und werden mit insitutionellem und kulturellem Rassismus konfrontiert, beispielsweise bei der Job- und Wohnungssuche oder bei Polizeikontrollen. Es sind die vorherrschenden rassistischen Stereotype, welche zur strukturellen Benachteiligung von PoC führen. Diese Stereotype werden von rechten Gruppen und Parteien, wie zum Beispiel Pegida, AfD, aber auch von bürgerlichen Akteur*innen aufgegriffen, instrumentalisiert und reproduziert. Dabei ist ihr rassistisches Weltbild eng mit einem erstarkenden Nationalismus verwandt, welcher weiterhin zu einer tödlichen europäischen Grenzpolitik führt. Das bedeutet auch: Rassismus tötet, denn Menschen ertrinken im Mittelmeer und Geflüchtetenheime brennen. Wir wollen eine Gesellschaft frei von rassistischer Gewalt und für jeden Menschen das Recht und die Möglichkeit, sich frei zu bewegen.

Bildung statt Ausbildung! Ursprünglich als Liste gegründet, konzentriert sich die LUKS inzwischen vornehmlich auf Bildungs- und weniger auf Hochschulpolitik. So wünschenswert und notwendig eine radikale Demokratisierung der Uni Passau auch wäre, so sehr ist dieser Horizont zugleich verschüttet – unter Exzellenz-Prinzipien, neoliberaler Umstrukturierung und verwehrten Partizipationsmöglichkeiten für Studis. Stichwort: Ein entkerntes Studierendenparlament, keine verfasste Studierendenschaft, sowie Ausrichtung der Uni auf Profitmaximierung. Deswegen hat sich unser Schwerpunkt auf verschiedenste Formen der Wissensvermittlung verlagert. In unseren Lesekreisen, Vortragsreihen, Kundgebungen, Workshops und Plena wollen wir theoretische Ideen reflektieren sowie diskutieren – und möglichst niedrigschwellig für alle Interessierten zugänglich machen! Gleichzeitig ist es unser Anspruch, durch Interventionen wie Demos und offene Briefe eine kritische Adresse innerhalb der Passauer Stadt-Gesellschaft zu sein. Wissensvermittlung bedeutet für uns also sowohl kritische Selbstbesinnung als auch öffentlichkeitswirksame Aufklärung (über z.B. Rechtsextremismus, Sexismus, etc.). Dabei verfolgen wir keine spezifischen Schwerpunkte oder inhaltliche Leitlinien – im Rahmen unseres Selbstverständnis steht es allen LUKS*innen frei, Veranstaltungen nach eigenem Belieben zu organisieren. 

Luxus für Alle! Wir stehen dem Kapitalismus kritisch bis feindselig gegenüber. Er basiert auf dem Prinzip, unaufhörlich Kapital – also Waren, etwa Autos, Lebensmittel, Handys, Möbel usw., aber auch Finanzgebirge – anzuhäufen. Dieser Reichtum wird nicht produziert um allen Menschen ein glückliches Leben zu sichern, sondern um die Profitmaximierung der Produzent:innnen zu gewährleisten – ohne jede Rücksicht auf Mensch und Natur. Von diesem System können vielleicht die Kapitalist:innen, aber nur die wenigsten Lohnabhängigen überleben. Wir werfen dem Kapitalismus jedoch nicht vor, dass er Reichtum produziert, sondern dass er diesen Luxus nicht Bedürfnis-orientiert verteilt. Eine solche Umverteilung bedeutet weder die staatliche Regulierung des Kapitalismus (Sozialdemokratie), noch vormoderne Wirtschaftsformen wie die Subsistenz („Degrowth“), vielmehr wäre es eine Gesellschaft, in der nachhaltige, hochwertige und nützliche Konsumgüter für alle verfügbar sind und so „die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“ (Karl Marx). Das ist nur möglich durch radikale Arbeitszeitverkürzungen, Automatisierung und solidarische Beziehungsweisen. Die grausamen Versuche, den Kapitalismus durch Diktaturen – Stalinismus oder Maoismus – zu überwinden, fallen hinter ihn zurück und stellen sich quer zu unserem bedingungslosen Antiautoritarismus. Die Situationistische Internationale bringt es mit ihrer Formel „die proletarischen Revolutionen werden Feten sein, oder sie werden nicht sein“ auf den Punkt. 

Gegen jeden Faschismus! Der Faschismus war ein Zivilisationsbruch. Er verwarf den kulturellen und sozialen Fortschritt, den die Aufklärung und die bürgerlichen Revolutionen in Gang gesetzt hatten. Gleichzeitig ist er der bürgerlichen Gesellschaft selber entsprungen und stellte nicht zuletzt eine ideologische Bewältigung der ersten großen Krise des Kapitalismus dar. Weder ist jedoch die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft überwunden, noch wären damit die Bedingungen abgeschafft, die Auschwitz erst ermöglicht haben. „Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen“ – diese Mahnung Primo Levis leitet unser Selbstverständnis als Antifaschist*innen: Ein wacher Blick einerseits, dafür, dass der Nationalsozialismus sehr wohl nachlebt und selbstverständlich im Hier und Jetzt bekämpft werden muss, ganz gleich, ob er adaptiert – in Form der AfD oder Burschenschaften – bzw. transformiert – in Form von Verschwörungsmythen oder Islamismus – daherkommt. Sowie ein utopisches Bewusstsein andererseits, dafür, dass es erst die Entbehrungen im Kapitalismus und die „bürgerliche Kälte“ (Theodor W. Adorno) sind, welche die faschistische Ideologie immer wieder heraufbeschwören und Antisemitismus, Rassismus, den Hass auf Faule, Arme, Behinderte sowie emanzipierte Frauen und LGBT+ erzeugen. Wir kämpfen nicht für eine antifaschistische Welt, sondern für eine Welt, die Faschismus nicht mehr bedingt und somit Antifaschismus überflüssig macht

selbstverständnis.pdf wird derzeit überarbeitet.

  1. People/Person of Color (PoC) ist eine Selbstbezeichnung, die alle Personen umfasst, die im Gegensatz zu Weißen von Rassismus betroffen sind. ↩︎