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„thank you, merci, Спасибо!“

Unser Text zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung der Welt von Deutschland, den wir gemeinsam mit Antifa News Passau aufgesetzt haben

Heute jährt sich die Niederschlagung des Nationalsozialismus durch die Alliierten zum 79. Mal. Die Konzentrationslager wurden befreit, die annektierten Gebiete des Dritten Reichs entgermanisiert und das deutsche Kerngebiet besetzt. In einer ungeheuren Anstrengung war es den Hauptsiegermächten und Partisan:innen gelungen, den Meister aus Deutschland in die Knie zu zwingen.

Die Stadt Passau wirkt wie ein verkleinertes Brennglas der Ereignisse. Bereits Monate zuvor gab es Bombardierungen der britischen Royal Air Force, um den Einmarsch der US Army bzw. der Roten Armee vorzubereiten. In mehreren Angriffen wurden der Bahnhof und das Donauviertel als lokales Drehkreuz ausgeschaltet. Am 3. Mai eroberten US-amerikanische Soldaten die Stadt, in der Adolf Hitler aufgewachsen war. Noch zwei Wochen zuvor, zum Geburtstag des Führers, schwor der damalige NS-Bürgermeister Max Moosbauer die Passauer Volksgemeinschaft auf den Endsieg ein: „Immer war es eine Auslese des Volkes, die in der Schicksalsstunde die Entscheidung herbeigeführt hat… Noch stehen Opfer über Opfer vor uns… aber am Ende dieser Zeit kommt der deutsche Sieg.“ Um die Niederlage abzuwenden wurden der Innsteg, die St. Elisabeth- und die Kräutersteinbrücke gesprengt. Im Neuburger Forst kam es zu Endphaseverbrechen: Dutzende sowjetische Kriegsgefangene wurden hier feige massakriert und verscharrt. Zu ihrem Andenken wurde in Ingling ein Mahnmal errichtet. Kurze Zeit später wurde auch das KZ Mauthausen befreit.

Wir haben heute Blumen am Mahnmal niedergelegt und dokumentieren den ‚Schwur von Mauthausen‘ sowie ein Grußwort inhaftierter spanischer Republikaner:innen an die Befreier.

Zurecht ist der heutige Tag als „Tag der Befreiung“ Geschichte geworden. Für die Jüdinnen:Juden, Kriegsgefangenen, Kommunist:innen, Sinti und Roma, Homosexuellen, Asozialen und alle Anderen, die unter dem Joch des Nazifaschismus vernichtet, ermordet, versklavt und gefoltert wurden, bedeutete die Zerschlagung Deutschlands ein Ende der Grausamkeiten. Für jene, die sich am NS beteiligten, das waren in Deutschland die große Masse und in Österreich, Kroatien, Ungarn, der Ukraine und Rumänien nicht wenige, kann es das nicht sein. Für die Täter war es eine Niederlage, die sie mit einem blauen Auge hinnehmen durften.

Wir vergessen nicht! Weder die Opfer, die millionenfach ermordet wurden. Nicht die Täter, die dieses Unrecht begangen. Den Befreiern sagen wir danke, thank you, merci, Спасибо!

Der Schwur von Mauthausen:

„Es öffnen sich die Tore eines der schwersten und blutigsten Lager: des Lagers Mauthausen. Nach allen Himmelsrichtungen werden wir in freie und vom Faschismus befreite Länder zurückkehren. Die befreiten Häftlinge – denen noch gestern der Tod aus den Händen der Henker der nazistischen Bestie drohte – danken aus tiefstem Herzen den siegreichen alliierten Nationen für die Befreiung und grüßen alle Völker mit dem Rufe der wiedererlangten Freiheit.

Der vieljährige Aufenthalt im Lager hat in uns das Verständnis für die Werte einer Verbrüderung der Völker vertieft. Treu diesen Idealen schwören wir, solidarisch und im gemeinsamen Einverständnis, den weiteren Kampf gegen Imperialismus und nationale Verhetzung zu führen. So, wie die Welt durch die gemeinsame Anstrengung aller Völker von der Bedrohung durch die hitlerische Übermacht befreit wurde, so müssen wir diese erkämpfte Freiheit als das gemeinsame Gut aller Völker betrachten.

Der Friede und die Freiheit sind die Garantien des Glückes der Völker, und der Aufbau der Welt auf neuen Grundlagen sozialer und nationaler Gerechtigkeit ist der einzige Weg zur friedlichen Zusammenarbeit der Staaten und Völker. Wir wollen nach erlangter eigener Freiheit und nach Erkämpfung der Freiheit unserer Nationen die internationale Solidarität des Lagers in unserem Gedächtnis bewahren und daraus die Lehren ziehen:

Wir werden einen gemeinsamen Weg beschreiten, den Weg der unteilbaren Freiheit aller Völker, den Weg der gegenseitigen Achtung, den Weg der Zusammenarbeit am großen Werk des Aufbaues einer neuen, für alle gerechten, freien Welt. Wir werden immer gedenken, mit welch großen blutigen Opfern aller Nationen diese neue Welt erkämpft wurde.

Im Gedenken an das vergossene Blut aller Völker, im Gedenken an die Millionen, durch den Nazifaschismus gemordeten Brüder geloben wir, dass wir diesen Weg nie verlassen werden. Auf den sicheren Grundlagen internationaler Gemeinschaft wollen wir das schönste Denkmal, das wir den gefallenen Soldaten der Freiheit setzen können, errichten:

DIE WELT DES FREIEN MENSCHEN.

Wir wenden uns an die ganze Welt mit dem Ruf: Helft uns bei dieser Arbeit!
Es lebe die internationale Solidarität!
Es lebe die Freiheit!“