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„Zur Epidemiologie des Antifeminismus“

Rede von LUKS zum internationalen feministischen Kampftag 2024

Ein Viertel der Deutschen lehnt Feminismus ab. Das bedeutet, ein Viertel der Deutschen hält an einem Weltbild fest, dass von patriarchalen Machtstrukturen und traditionellen Rollenbildern geprägt ist. Und das ist leider kein Phänomen, das mit der Zeit abnimmt, sondern ein Phänomen, dessen Tendenz steigend ist.

Antifeminismus findet in den unterschiedlichsten Kreisen Anklang. Von Rechtsextremist*innen zu religiösen Fundamentalist*innen. Und von bürgerlich Konservativen zu vermeintlichen Feminist*innen, die sich ausschließlich für die Rechte weißer hetero cis Frauen einsetzen.

Immer öfter höre ich Aussagen wie: Feminismus wäre doch gar nicht mehr nötig, es wären doch schon alle Menschen gleichberechtigt. Oder: Feminismus habe schon eine Daseinsberechtigung, aber doch bitte nicht so extrem. Was so viel bedeutet wie: Feminismus ja, aber bitte nicht für alle. Oft handelt es sich um typisches Stammtischgelaber, man kann sich eben schnell über Dinge aufregen, ohne sich wirklich einmal damit zu befassen. Und oft werden Aussagen wie diese relativiert, weil, mein Gott, so ist das hier halt, oder mein Gott, damit ist man halt so aufgewachsen.

Aber immer häufiger werden diese Aussagen von Personen in der Öffentlichkeit vertreten, die sich als besonders differenziert darstellen und auch so wahrgenommen werden. Doch in Wirklichkeit sympathisieren sie offen mit Rechtspopulisten, oder spielen rechten Narrativen zumindest in die Hände. Mit Schlagwörtern wie „Wokeism“, „Genderwahn“ und „Verbotskultur“ wird mit Framing und Falschaussagen eine Wirklichkeit kreiert, in der Feminismus – also die Gleichstellung aller Geschlechter – als das absolut Böse beschrieben wird. Man hat ein klares Feindbild: Emanzipation, Selbstbestimmung sowie geschlechtliche und sexuelle Vielfalt; und das Ziel ist es, patriarchale Strukturen beizubehalten und marginalisierte Gruppen weiterhin oder sogar noch stärker zu diskriminieren.

Wichtig zu betonen ist, dass Antifeminismus eine zentrale Ideologie des Rechtsextremismus ist. Das Erstarken extrem rechter Akteur*innen in den letzten Jahren geht daher auch mit einem Erstarken von Antifeminismus einher. Und besonders gefährlich ist dabei, dass Antifeminismus oft nicht als menschenfeindlich gewertet wird, weil die Ideologie auch in der sogenannten Mitte der Gesellschaft aufgenommen wird.

Und ebenso wichtig ist es, sich der unmittelbaren Gefahr von Antifeminismus bewusst zu sein. Alle 72 Stunden sterben Frauen und Mädchen durch die Gewalt ihres Partners, Ex-Mannes oder Vaters. Gewaltsame Straftaten gegen queere Personen steigen dramatisch an. Das Verwehren eines Rechts auf körperliche Selbstbestimmung lässt Menschen leiden.

Antifeminismus tötet. Und ein Feminismus, der nicht intersektional gedacht wird, spielt dem Antifeminismus in die Karten. Also lasst uns heute gemeinsam dagegen ankämpfen!

Quellen

https://www.boell.de/de/demokratie/publikationen-antifeministische-maennerrechtsbewegung-13838.html
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/fachstelle/analyse-und-hintergrundinformationen/antifeminismus-2/
https://www.queer.de/detail.php?article_id=45126
https://magazin.uni-leipzig.de/das-leipziger-universitaetsmagazin/artikel/warum-antifeminismus-die-demokratie-gefaehrdet-2022-03-07

Foto von María Fuentes auf Unsplash